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In der medizinischen (sexologischen) Wissenschaft wird für „sexuelle Varianten“ das Wort
„Paraphilien“ benutzt. Es klingt neutral, obwohl es auch „abweichender Ausdruck des sexuellen Verlangens“ bedeutet. Das Wort „Varianten“ drückt einen offenen Standpunkt gegenüber den möglichen Variationen des sexuellen Verhaltens aus. Wir sprechen also nicht von „Perversitäten“ oder „sexuellen Abweichungen“, da jene Begriffe, obwohl diese zu Beginn nicht aus böser Absicht benutzt wurden (pervers bedeutet eigentlich nur „umgekehrt“), immer häufiger abwertend gebraucht werden oder eingesetzt werden, um Menschen einzuschließen oder zu behandeln. Unser Ausgangspunkt ist, dass das sexuelle Verhalten aller Menschen ein großes Spektrum von Möglichkeiten hat. Man sieht jedoch nur einen kleinen Teil davon in der Praxis, da man sowohl durch Veranlagung als auch durch Erziehung der Außenwelt gegenüber eher heterosexuelles Fortpflanzungs- und Familienverhalten entwickelt. Trotzdem zeigen „normale“ Menschen, dass sie über ein großes Repertoire sexueller Varianten verfügen. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Selbstbefriedigung (Masturbation).
Schuld und Angst
Heterosexualiät innerhalb einer festen Beziehung gilt als „normal“ und „gesund“. Dies ist auch verständlich, da Menschen, die sich sexuell abweichend verhalten und darum missbilligt oder bestraft werden, auch mehr unter Schuld- und Angstgefühlen zu leiden haben und sich darum auch weniger gesund fühlen und verhalten. Menschen, die so fixiert sind auf eine bestimmte Variante, sodass sie sich selbst regelmäßig in Probleme bringen, bekommen dadurch manchmal sogar eine „Persönlichkeitsstörung“. Aus der medizinischen Tradition heraus haben sie einen gewissen sexuellen Stempel aufgedrückt bekommen – oder haben sich diesen auch selbst aufgedrückt.
Sexuelle Kontrolle
Es gibt eine mögliche Erklärung für die Tatsache, dass die meisten Varianten den Ruf haben, männlich zu sein. Männer stehen seit jeher mehr unter sexueller Kontrolle durch die Gesellschaft, da sie das penetrierende und weniger wählerische Geschlecht sind. Ihre Neigung zu Promiskuität hat sich im Laufe der Evolution gebildet. Diese muss sich messen mit der auch im Laufe der Evolution gebildeten weiblichen Tendenz, einen Mann zu selektieren, der ihr beim Aufziehen ihres Kindes, das sie will, hilft.
Schuld und Buße
In der Praxis bedeutet diese Situation, dass Männer eine viel größere Chance haben, „erwischt“ zu werden. Das Verhalten, das bei einer Frau kaum auffällt, weckt bei einem Mann Verdacht. Er kann auf diese Weise mit den herrschenden Sitten und mit seinem Partner in Konflikt geraten. Schuld und Buße erledigen den Rest. Dies hat zu zwei Verhaltensarten geführt:
In Wirklichkeit aber sind jene Menschen nur mit den Sitten ihrer Umgebung oder ihres Landes zusammengeprallt. Die ganze Idee, dass sie dadurch ein spezielles sexuelles Naturell haben, ist ein Missverstand, welcher durch ihre Umgebung, durch die Psychiatrie und durch Gesetze aufrechterhalten werden.
Missverständnisse
Und es kommt durch jene Situationen, dass der Begriff „Abweichung“ oder „Perversion“ mit Individuen verbunden wird. Heutzutage spricht die Sexologie von „sexuellen Präferenzen“, was sich sympathischer anhört als „Perversion“, obwohl auch dieser Begriff irgendwann einmal als neutraler, wissenschaftlicher Begriff eingeführt wurde. „Sexuelle Präferenz“ kann also genauso wie „Varianten“ eines Tages ein Schimpfwort werden. Das hängt davon ab, inwieweit sich die Gesellschaft auf sexuellem gebiet von alten Missverständnissen befreien kann.
Das Standardwerk für die westliche Welt ist der „Diagnostic and Statistical Manual“, herausgegeben von der amerikanischen Vereinigung von Psychiatern. Früher wurde darin auch Selbstbefriedigung als Krankheit umschrieben, und vor kurzem auch noch Homosexualität.
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